Ausgabe Oktober 1994

Die Stadt, die Kultur und die Krise

Kommunale Kulturpolitik zwischen Verwaltungsreform und Finanzknappheit

1. So schlimm war es noch nie...

Die gegenwärtige Krise der kommunalen Finanzen aktualisiert für die Kulturpolitik der Kommunen (die mit den Stadtstaaten zusammen immerhin fast zwei Drittel der öffentlichen Kulturausgaben aufbringen) einen Trend, der sich in einer Stadt wie Frankfurt am Main schon vor einigen Jahren andeutete. Boom und Krise der kommunalen Kulturpolitik folgten in dieser Stadt rasch aufeinander 1). Zum Ende der 80er Jahre schon begann dort jener kulturpolitische Konsens zu bröckeln, der sich vorher auf den Standortfaktor Kultur und auf die Selbstinszenierungsbedürfnisse der prosperierenden Schichten der "Neuen Urbanen" stützte: Wohnraum, Stadtökologie und soziale Pazifizierung schienen jetzt als Standortfaktoren und für die Zukunftsfähigkeit der Kommune wichtiger als Kultur. Bei den einst gefeierten "neuen Freunden" der Kultur wurde rasch die Spreu vom Weizen getrennt. Nur bei den "in der Wolle gefärbten", jenen in der eigenen Lebenspraxis eng mit den Qualitäten und Lebenswerten des Kulturellen vertrauten "Kulturfreaks", hielt die Sympathie.

Vor 11 Jahren klagten die Kommunen und insbesondere die Kulturverwaltung en schon einmal über eine Finanzkrise, die freilich längst nicht das Ausmaß der aktuellen besaß.

Oktober 1994

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fossilistischer Kolonialismus

von Friederike Otto

Die Erderhitzung vernichtet schon heute weltweit die Lebensgrundlagen vieler Menschen – allen voran jener, die ohnehin benachteiligt sind. Wir müssen die Klimakrise auch als Gerechtigkeitskrise begreifen – und die ihr zugrundeliegenden Machtstrukturen transformieren.

Globales Elend und die Diktatur der Superreichen

von Ute Scheub

Sie düsen in Privatjets um die Welt, um Immobilien und Konzernketten an sich zu reißen. Sie kaufen ganze Landschaften und Inseln, um sich dort im größten Luxus abzukapseln. Sie übernehmen Massenmedien, um sich selbst zu verherrlichen und gegen Arme und Geflüchtete zu hetzen.