"Warum so wenig über den Widerstand bekannt ist? Weil er gescheitert ist, weil das deutsche Volk nicht einmal den Versuch unternommen hat, Hitler zu beseitigen." Der das meint, Heinrich Graf von Einsiedel, hatte 1943 mit seinen Kampfgefährten vom "Nationalkomitee Freies Deutschland" (NKFD) vergeblich von Rußland aus zur Erhebung aufgerufen. Das bündige Urteil des Grafen geäußert auf einer Tagung mit dem Titel "Was aus Deutschland werden sollte: Konzepte des Widerstands, des Exils und der Alliierten" Ende Januar in Marburg - imitiert. War tatsächlich das Scheitern der Grund für Vergessen und Verdrängen des Widerstands? Den "Männern des 20. Juli 1944" jedenfalls hat der gescheiterte Versuch des Umsturzes gereicht, um in die offizielle Geschichtsschreibung der Bundesrepublik aufgenommen zu werden und gar der Identitätsstiftung zu dienen - während die Mitglieder des NKFD weiter als Verräter diffamiert werden und mehrere Zehntausend vom NS-Regime verurteilte Wehrmachtsdeserteure und "Wehrkraftzersetzer" (bzw. ihre Angehörigen) auf die Rehabilitierung warten. Reinhard Kühnl beschrieb im Eröffnungsreferat grundsätzliche "Schwierigkeiten, die Wahrheit über den Widerstand zu ermitteln".
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.