Ausgabe Juli 1995

Nach dem Scheitern der säkularen Heilslehren

Jenseits von Marxismus, Individualismus und Multikulturalismus

Das weltlich imprägnierte 20. Jahrhundert wurde durch zwei große leidenschaftliche Lehren von universellem Anspruch geprägt: "universell" im Festhalten daran, daß die Menschheit eine gemeinsame Natur und eine gemeinsame Bestimmung hat, "leidenschaftlich" in dem Sinne, daß Millionen Menschen so innig an diese Lehren glaubten, daß sie in deren Namen dazu gebracht wurden, Leib und Leben zu opfern. Es handelt sich auf der einen Seite um den Marxismus, der eine Gemeinsamkeit beschwor, die in der Zugehörigkeit zu einer ständig wachsenden Arbeiterklasse wurzelte, die dazu ausersehen war, allen Klassen ein Ende zu machen.

Die der Annahme nach alle vereinigende Daseinsweise der Arbeiterklasse lag jedoch in der Zukunft, auf unabsehbare Zeit vertagt, jenseits des Klassenkampfs, der alle Klassenkämpfe beenden würde. Welche Fehler und welches Schicksal er auch haben sollte, der Gedanke war seiner Struktur nach genial.

Juli 1995

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