Ausgabe Januar 1996

Hochschulpolitik zwischen Standort und Standesdünkel

Die öffentliche Debatte um die Hochschulpolitik wird mehr und mehr zu einem leidigen, ungeliebten Thema, bei dem die Positionen inzwischen festgefahren zu sein scheinen - obgleich (oder weil) Studierende schon fast jährlich einen "Heißen Herbst" ankündigen und obgleich der auf den Wissenschaftsseiten der Zeitungen immer wieder verkündete "finanzielle Ruin" der Hochschulen regelmäßig für Betroffenheit sorgt. Politiker jeder Couleur führen die Auseinandersetzung nur noch unter haushaltstechnischen Gesichtspunkten und werfen den Hochschulen Ineffizienz und Reformunwilligkeit vor. Die Hochschulen beklagen die unzureichende Finanzierung und die wachsende Masse der Studierenden, die sie nicht mehr bewältigen können oder wollen. Äußerungen der Studierenden werden meist nur undifferenziert in Form von Protestveranstaltungen, Demonstrationen oder Streiks wahrgenommen.

Bildungsziele heute

Auf europäischer Ebene wird seit geraumer Zeit diskutiert, wie die Konkurrenzfähigkeit Europas auf dem Weltmarkt gesteigert werden könne. Lag das Augenmerk zunächst nur auf der Verbesserung der industriellen Infrastruktur, konzentriert man sich nun eher auf die Effizienzsteigerung der sogenannten "human ware" durch Bildung bzw. Ausbildung.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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