Hans Konings Artikel in dieser Ausgabe - über ein fortlebendes deutsches Verlangen nach verlorenen Besitztümern und Gebieten gibt Gelegenheit, sich an die Beständigkeit deutscher Sorgen zu erinnern - und daran, warum der Rest der Welt sich seit so langer Zeit dieser Sorgen wegen sorgt. - Mit diesen Worten begann jüngst ein Editorial des "Atlantic Monthly", das sich ausschließlich mit Koning, dem amerikanischen Erfolgsautor, der als Heranwachsender aus den deutsch besetzten Niederlanden geflohen und britischer Soldat geworden war, und seinem Thema des Monats befaßt - der unendlichen Geschichte namens Deutsche Einheit. Das liberale Monatsblatt aus Boston, gegründet 1857, erinnert: "Die Entwicklung des modernen deutschen Staates ... vollzog sich vollständig innerhalb der Lebenszeit des Atlantic Monthly, und immer wieder haben Autoren auf unseren Seiten die Konsequenzen nachgezeichnet." Nach anfänglicher Sympathie mit der Einigung, auch noch nach 1870/71, "wurden die Artikel innerhalb weniger Jahrzehnte entschieden bedenklicher, Würdigungen der wachsenden wissenschaftlichen, kulturellen und industriellen Macht Deutschlands traten hinter mahnende Erkundungen des 'deutschen Geistes(zustands)' (The German Mind) zurück.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.