Ausgabe Oktober 1996

Zwischen Theokratie und Moderne

Politische Kräfteverhältnisse im Iran

Der mit der Revolution vom 1979 ausgelöste Prozeß der politischen, sozialen und ökonomischen Umwälzungen in der iranischen Gesellschaft ist noch nicht abgeschlossen. Die andauernden politischen und sozialen Turbulenzen zeigen, daß der Weg in einen normalen und stabilen Zustand ohne revolutionäre Emotionen und Ehrgeiz keineswegs zu Ende ist. Weiterhin mangelt es am Bezug zur Realität. Der Zustand der politischen Führung Irans ähnelt nach wie vor dem eines Berauschten. Dies bestätigt auch ein Blick auf die fünfte Parlamentswahl im Iran vom März 1996.

Betrachtet man den Ablauf früherer Wahlen und die Zusammensetzung der aus ihnen hervorgegangenen Parlamente, ergibt sich, daß jede dieser Legislaturperioden einen bestimmten historischen Zeitabschnitt markiert. Im ersten Parlament waren alle an der Revolution beteiligten Kräfte mit Ausnahme der Kommunisten vertreten. Im zweiten Parlament fehlten bereits die islamischen Reformisten um den ersten nachrevolutionären Ministerpräsidenten Bazargan. Die islamistischen Strömungen waren unter sich, mit dem Resultat, daß sie begannen, sich gegenseitig zu bekämpfen. Dabei gewann im dritten Parlament die sozialradikale Fraktion 1) die Oberhand und versetzte ihren rechtskonservativen Rivalen entscheidende Schläge.

Oktober 1996

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