Ausgabe Januar 1997

Die wirtschaftliche Dimension der deutsch-iranischen Sonderbeziehung

Die Plädoyers der Bundesanwaltsschaft im sogenannten "Mykonos"Prozeß, in denen die Staatsspitze in Teheran als Drahtzieher des Mordes an vier oppositionellen Iranern in Berlin im September 1992 beschuldigt wurde, haben zu einer der schwersten Krise der deutsch-iranischen Beziehungen seit Jahrzehnten geführt. Diese Krise löste in beiden Ländern eine Grundsatzdiskussion aus, die die Notwendigkeit und der Sinn des Umgangs miteinander zum Gegenstand hat. Ist es legitim, fragt man sich in der Bundesrepublik, mit einem Land wie Iran, dessen politische Spitze in die Ermordung Oppositioneller auf deutschem Boden verwickelt ist, diplomatische, kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen zu pflegen? Wer profitiert von dem Sonderverhältnis zwischen den beiden Ländern? Und schließlich: Wer hätte bei einem Abbruch der Beziehungen den größeren Schaden? Im Folgenden wird der Versuch unternommen, die wechselseitigen Interessen beider Länder auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Beziehungen darzustellen und die möglichen Folgen eines Bruchs aufzuzeichnen.

Deutschlands Aufstieg zum Handelspartner Nr. 1

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Iran sind durch eine lange und kontinuierliche historische Tradition geprägt. Sie gehen bis ins Jahr 1625 zurück, als eine 100köpfige Delegation aus Schleswig-Holstein unter der Leitung von Adam Olarius ins persische Reich reiste, um u.

Januar 1997

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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