Derzeit breitet sich unter Leuten, die sich qua Amt oder Selbsteinschätzung für berufen halten, etwas über die Zukunft dieses Landes zu sagen, eine Torschlußpanik aus, die der Furcht entspringt, irgendwie könnten wir selbige Zukunft versäumen: die Zukunft, die, so hört man, im Computer, in Multimedia und natürlich im Internet liege. Gedanken wie der, daß die Gestalt des Internet keinesfalls naturgesetzlich determiniert sondern durch Handeln beeinflußbar sei, scheinen sich zu erübrigen. Dabei wäre es an der Zeit, die weithin akzeptierten Prämissen der Medien und Vernetzungsdebatte zu hinterfragen. Ist die oft repetierte Ratio der für sicher gehaltenen Konvergenz aller Medien im vernetzten Einheitsbildschirmgerät nicht doch von zu erhabener Schlichtheit: Nämlich daß alle Information durch Bitfolgen codierbar und deshalb durch ein universelles elektronisches Netz zu transportieren und an einem ensprechenden Endgerät zu konsumieren sei? All den Erzählungen von der New Frontier im Cyberspace ist die Herkunft aus puritanischer Kolonistenideologie anzumerken. Sie laufen auf eine Amputation von Leiblichkeit und Sinnlichkeit der Menschen hinaus, und es ist mehr als naiv, davon auszugehen, diese würden das bereitwillig akzeptieren.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.