Ausgabe Oktober 1997

Der mit dem Ausländeramt tanzt

Tekin Sengül, Sohn türkischer Migranten, verbrachte insgesamt 24 von seinen bisherigen 29 Jahren in Deutschland. Nach jahrelangen Querelen mit den Behörden um seinen Status entschloß er sich im Mai dieses Jahres, das deutsche Ausländerrecht - bis auf weiteres - zu boykottieren. Seither gewinnt seine quer zur Debatte über Einwanderung und Einbürgerung stehende Entscheidung zunehmend öffentliches Interesse. Die "Blätter" befragten den Liedermacher und Mitbegründer der erst kürzlich ins Leben gerufenen Selbsthilfeinitiative "Hamburger Forum für Gleichberechtigung" nach seiner Lebensgeschichte, seinen Motiven und Zielen den Reaktionen der Behörden. Das Gespräch führte Helena Sabbagh. - D. Red.

 

 

 

Blätter": Sie waren heute beim Ausländeramt - wie verlief der Termin?

Tehin Sengül: Ich habe dem Leiter der Ausländerbehörde die Beweggründe für meinen Boykott dargelegt und, daß ich eine Erklärung wünsche, daß jemand wie ich ein "natürliches" Recht hat in Deutschland zu leben und dafür nicht mehr um Genehmigung durch die Behörden bitten müssen sollte.

Blätter: Was hat er daraufhin geantwortet?

Sengül: Es sei nicht möglich.

Oktober 1997

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Bruch und Kontinuität

von Wolfgang Kaleck

Mit ihren Interventionen in Venezuela und Iran ist die zweite Trump-Regierung zu einem Frontalangriff auf das Völkerrecht übergegangen – und im Inneren der USA höhlt sie den Rechtsstaat immer weiter aus. Das oft opportunistische Verhalten europäischer Regierungen gegenüber Trump schwächt die internationale Ordnung zusätzlich.

Die Wehrpflicht gleicher Bürger

von Sven Altenburger

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat in Deutschland eine intensive Debatte über die Notwendigkeit einer Wehrpflicht ausgelöst. Dabei werden die ideengeschichtlichen Grundlagen der Wehrpflicht von ihren Gegnern regelmäßig verkannt, nämlich Republikanismus und Egalitarismus.

Frieden durch Recht

von Cinzia Sciuto

Am Anfang stand der 11. September 2001. Danach wurde die Lawine losgetreten: Ein langsamer, aber unaufhaltsamer Erdrutsch erfasste die internationale rechtliche und politische Ordnung. Ein Erdrutsch, der nach und nach die supranationalen Institutionen und die stets fragile, aber nie völlig illusorische Utopie einer friedlichen und auf dem Recht basierenden Weltordnung tief erschüttert hat