Ausgabe Dezember 1997

Was bleibt von der Wehrgemeinschaft?

Ein doppelter Blick auf die Wehrmacht-Ausstellung

Ich war dabei, als zwei Russen, Alter ca. 12-14 Jahre, deren Verbrechen darin bestand, in der Hauptkampflinie aufgegriffen zu werden, als mögliche Spione ohne Verhandlung oder ordentliches Gerichtsurteil auf Befehl des Bataillonskommandeurs von Freiwilligen erschossen wurden, nachdem sie zuvor ihr Grab selbst geschaufelt hatten. Leserbrief, "Kölner Stadt-Anzeiger", 12.9.1997

Mit keinem Thema, berichtet die "Frankfurter Allgemeine" (29.9.1997) von einem Parteitag der DVU, "ist der Beifall ... so zu entfesseln wie mit dem der Wehrmacht, das mehrmals aufgegriffen wird. Sie sei die beste, anständigste, ehrenhafteste Armee aller Zeiten gewesen, sagt Frey und wird mit tosendem Applaus belohnt." Tatsächlich war die Ausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung, die seit 1995 bereits 18 Stationen absolviert hat, bis 1999 ausgebucht ist und große Resonanz gefunden hat, seit Jahresbeginn in den Fokus alt- und neurechter Kampagnen geraten. In München bot sie einem profilierungsbedürftigen CSUPolitiker den Anlaß, sich in der Öffentlichkeit, vor allem aber gegenüber seiner eigenen Parteiführung in Erinnerung zu rufen. Eine kaum verhüllte Aktionseinheit von Rechtskonservativen und Rechtsextremisten war die Folge.

Dezember 1997

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