Ausgabe März 1998

Zurück in die Zukunft. Wie schöpferisch ist die Zerstörung?

Stellungnahmen zum dritten Bericht der Miegel-Kommission

Hätte es noch eines Beweises dafür bedurft, daß die amtierende Bundesregierung in Sachen Arbeitslosigkeit mit ihrem Latein am Ende ist: Mit der Vorlage des kurzfristig zu realisierenden "Beschäftigungsprogramms" Anfang Februar hat sie ihn erbracht. Es soll keinen Pfennig kosten, aber 100 000 Sozialhilfeempfänger via Druck auf die Kommunen und Druck der Kommunen auf die Betroffenen "in Arbeit" bringen. Zur gleichen Zeit, das erfuhr die Öffentlichkeit allerdings ein paar Tage später, hatte man in Nürnberg bei der Bundesanstalt für Arbeit einige Hunderttausend Bezieher von Arbeitslosengeld oder -hilfe zwar nicht in Arbeit, aber aus der amtlichen Statistik gebracht. Nein, es sind auch in Bonn kaum noch Akteure und Zuschauer zu finden, die glauben, es ginge noch lange "weiter so". Das Programm einer künftigen Bundesregierung wird anders aussehen. Für (neo)liberale Politiker (auch solche mit CDU- oder CSU-Parteibuch) steht längst fest: Es muß radikaler sein. Ein solches radikales, relativ konsequentes und geschlossenes Umbauprogramm schrieben - im Auftrag der Ministerpräsidenten von Bayern und Sachsen - die Mitglieder der sogenannten Zukunftskommission. (Vgl. die Auszüge des dritten und letzten Teilberichts in der "Blätter"-Februarausgabe.) Wir boten Wirtschaftsund Sozialwissenschaftler um eine Bewertung. - D. Red.

März 1998

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.