Ausgabe November 1998

Pop goes the culture

Gibt es irgendwo in unserer vernetzten Welt einen Menschen, der nicht weiß, daß am 14. Mai 1998 die Seinfeld-Serie auslief und Frank Sinatra starb? Seinfelds letzter Auftritt und Sinatras Tod - beides geschah in fast grotesker Gleichzeitigkeit. Die Nachricht und die ihr folgenden Bilder flossen innerhalb von Sekunden in Amerikas Medienstrom. Sämtliche memorial clips waren schon fertig, die Nachrufe längst im voraus formuliert. Millionen Menschen, vielleicht Hunderte Millionen, empfanden etwas in virtuellem Einklang - oder fühlten sich doch verpflichtet, dasselbe zu fühlen wie die anderen. In dieser Hinsicht wird das 21. Jahrhundert wahrscheinlich dem ablaufenden ähneln. Popular culture ist geradezu der Sauerstoff unseres kollektiven Daseins. Sie hält Verbindungen zusammen. (Bekanntschaftsanzeigen könnte man sicherlich ungeschickter einleiten als mit "Suche gleichgesinnten Sinatra-Liebhaber; let's do it your way" oder "Gesucht: Seinfeld-Gegner aus Gewissensgründen." Die Leute, die man kennenlernen möchte, würden wissen, was gemeint ist.)

Die Populärkultur führt Gemeinschaften zusammen Showpublikum, Fanklubs, chat groups. Sie erfüllt die Alltagskonversation. (Philip Roth: Amerika ist voll "erstklassiger Menschen, die angeregt über zweitrangige Filme plaudern.") Sie überlagert die Politik.

November 1998

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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