Ausgabe Dezember 1998

Arbeit am Neuen Menschen

Den Kuß noch auf den Lippen eilt die junge Frau an den Schalter, von den Lippen wird ein Abstrich genommen, und kurz darauf erhält sie einen Stapel Papier mit schier endlosen Buchstaben- und Zahlenkolonnen, die Aufschluß über die Erbanlagen des Küssenden geben. Die genetische Analyse und nicht Amors Pfeil entscheidet nüchtern über Partnerschaft und Fortpflanzung. Rechtzeitig zum zehnjährigen Bestehen des Human Genome Project (HGP) eröffnete im Sommer diesen Jahres der Film "GATTACA" den Blick auf eine kühle (Anti-)Vision in einer vielleicht nicht mehr ganz so fernen Zukunft.

Im Zuge der gegenwärtigen Begeisterung für die Bio- und Gentechnologie als "arbeitsplatzschaffende Schlüssel- und Querschnittstechnologie" wird auch von großen Teilen der Politik die Gentherapie als Hoffnungsträgerin einer neuen Medizin präsentiert und es verblüfft kaum, daß die Forschung daran kräftig gefördert und propagiert wird. Geschickt wird dabei der Umstand ausgenutzt, daß die Bevölkerung ein ambivalentes Verhältnis zur Gen- und Biotechnologie hat. Während beispielsweise die "grüne" Gentechnik in der Landwirtschaft deutlich skeptisch und ablehnend beurteilt wird, erhält die "rote" Gentechnik in der Medizin durchaus gute Noten.

Dezember 1998

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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