In Moskau geht die Ära Jelzin zu Ende. Nach der Sommerkrise ist Boris Jelzin nur noch ein kränkelnder Mann, der, wenn es gut läuft, noch die Aufgabe erfüllt, den Übergang zum nächsten Präsidenten vorzubereiten. Die politische Tagesordnung erledigt derweil Jewgeni Primakow. Wer immer Boris Jelzins Nachfolger sein wird, eins wird auf jeden Fall für ihn gelten: Er wird mehr auf die russischen Regionen hören müssen. Die Krise des Präsidenten ist zugleich auch die Krise des Moskauer Zentralismus oder - positiv formuliert - Ausdruck gewachsener Bedeutung der russischen Regionen. Das Ende der Ara Jelzin ist zugleich ein Wendepunkt bisheriger westlicher Rußlandhilfe. Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist wegen seiner Mißerfolge selbst in den eigenen Reihen in die Kritik gekommen; in Bonn ist der Machtwechsel vollzogen: Statt Helmut Kohl bestimmt nun Gerhard Schröder die Richtlinien der Politik, auch der Außenpolitik - statt eines Klaus Kinkel wird ein Josef Fischer sie ausführen. Daß Boris Jelzin nach Alexander Lebed, Gennadij Sjuganow und einer Reihe anderer Politiker als letzter auf seiner Besuchsliste stand, damit setzte der neue Bundeskanzler bei seinem Antrittsbesuch in Moskau ein Zeichen.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.