Zwar wird es nicht often ausgesprochen, doch in den Wandelgängen der Machtpaläste Roms ist es ein offenes Geheimnis, daß Staatspräsident Oscar Luigi Scalfaro im November die Aufgabe des neuen Ministerpräsidenten nicht gerne Massimo D'Alema anvertrauen wollte. Diese Lösung schien ihm jedoch ein weitaus geringeres Übel zu sein, als das Land mit Neuwahlen zu überziehen. Denn sie hätten - kurz vor der Einführung des Euro - zu einem Zeitpunkt stattfinden müssen, da nach außen politische Stabilität gezeigt werden mußte: der gemeinsame Eintritt in den Euro stand bevor. Politische Unwägbarkeiten für mehrere Monate an der Spitze der Exekutive, rechneten ihm auch die Finanzmagnaten vor, würden Italiens ohnehin über dem Limit liegendes Staatsdefizit weiter ansteigen lassen. Daß es jedoch zwei "Todfeinde" des ehemaligen Jungkommunistenführers D'Alema sein würden, die ihm die parlamentarische Mehrheit für die Wahl zum Ministerpräsidenten sichern sollten, darauf hätte wenige Monate zuvor wohl kaum jemand ein paar Lire gewettet.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.