Die These, daß die Börsenkurse immer weiter steigen, weil Washington es sich nicht leisten kann, sie fallen zu lassen, verweist auf einen neuen Aspekt des korporativen Sozialismus, American version: öffentliche Unterstützung für Kapitalanleger, gerechtfertigt mit dem Argument, wenn es für diese schlecht laufe, werde es allen anderen noch schlechter ergehen. Dies schließt den Rest der Welt mit ein, da niemals zuvor soviel ausländisches Geld an der Wall Street investiert wurde und weil die Weltwirtschaft, wie der Ökonom David Hale schreibt, von einem "stabilen US-Aktienmarkt abhängt, der es gestattet, Amerikas Rolle in der Welt als 'spender of last resort' aufrechtzuerhalten". Alle stecken tiefer mit drin, als ihnen lieb ist. Alan Greenspan könnte die "Spekulationsblase" - wenn es denn eine Blase ist mit einer einzigen ungeschickten Äußerung zum Platzen bringen. Als der Aktienindex noch 3 000 Punkte tiefer stand, löste seine Bemerkung über die "irrationale Überschwenglichkeit" der Anleger sofort einen Kurssturz aus.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.