Ausgabe März 1999

Liberalala oder Monopoly?

Der neue Telekommunikationsmarkt

Ein Jahr nachdem die staatlich garantierten Fernmeldemonopole mit der Freigabe des Sprachdienstes beinahe überall in EU-Europa verschwunden waren, erhob sich zum Jahreswechsel 1998/99 ein von der Europäischen Kommission angeführter Chor von Stimmen aus Wirtschaft, Politik und Presse, um Erfolg auf der ganzen Linie zu melden. "Wettbewerb ist gut für den Verbraucher", so resümiert etwa die neue Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) angesichts von Preisreduktionen um bis zu 70% für Ferngespräche das erste Jahr ihrer Tätigkeit. 1) In der Tat kann, wer viele und lange Ferngespräche führt und den angesichts einer dynamischen Tariflandschaft beinahe täglich neu zu erbringenden Aufwand zur Ermittlung des zur jeweiligen Tageszeit günstigsten Anbieters nicht scheut, eine Menge Geld sparen. Doch die Segnungen sind mit einigen Fragezeichen zu versehen: Sie verteilen sich nicht nur höchst unausgewogen auf die Netzteilnehmer, sondern es stehen ihnen auch steigende Transaktionskosten gegenüber. Genaueres Hinsehen enthüllt zudem, daß jener "Markt" seiner Form und seinem Inhalt nach ein politisches Konstrukt ist, dessen Verfassung die langfristigen Interessen der meisten Bürger schlicht ignoriert - und die Politik vor sich verschärfende Regulierungsprobleme stellt.

März 1999

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