Ausgabe Februar 2000

In der Globalisierungsfalle?

Die Zukunft der industriellen Beziehungen in Deutschland

Theodor Eschenburgs Frage nach der "Herrschaft der Verbände?" (1956) steht beispielhaft für die in den 50er Jahren verbreitete Furcht, egoistische Interessenorganisationen könnten den demokratischen Willensbildungsprozeß der jungen Bonner Republik zur Bedienung ihrer Partikularinteressen mißbrauchen und verfälschen. Daß die Verbände dagegen in einem überraschenden Maß - und entgegen ihrer egoistischen Handlungslogik - zur konstruktiven Mitarbeit im politischen Prozeß befähigt waren, zeigte sich erst mit der Konzertierten Aktion (1967). Mit ihr begann die Blütezeit des Korporatismus in Deutschland und des deutschen Verbändestaates. Die unbestrittene Monopolstellung der Tarifpartner, ihre beständig hohen Organisationsgrade, verbunden mit interner Homogenität und einer auf Konsens und Stabilität bedachten Ausgestaltung der Arbeitsbeziehungen, eröffnete den Verbänden über Jahrzehnte ein exklusives Mitsprache- und Mitgestaltungsrecht. Die korporatistische Verhandlungsharmonie hatte allerdings nur so lange Bestand, wie die Verpflichtungsfähigkeit der Verbände ungebrochen und ihr Alleinvertretungsanspruch von seiten der Mitglieder mit Geschlossenheit und Loyalität untermauert war.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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