Ausgabe Mai 2000

Das Internet als strukturelle Ideologie

Im Laufe der letzten Zeit ist das World Wide Web zu einem Massenmedium wie viele andere auch gemacht worden. Darüber hinaus hebt es sich jedoch gerade von eben jenen durch die ihm immanenten Versprechungen einer angeblich demokratischen Kommunikation ab. Das global village, so wird uns gesagt, sei durch die globale Vernetzung des Internet nun wirklich in ein "globales Ganzes" verwandelt worden - der freie Welthandel schafft sich seine Kommunikation. Wir sind also hier nur am Rande mit einer technologischen Frage konfrontiert, vielmehr birgt die Struktur des Internet eine Ideologie in sich, die nur allzu genau die bestehende Ordnung der Welt, wie sie sich uns zu Beginn des 21. Jahrhunderts offenbart, repräsentiert.

"Information", "Erfahrung", "Realität"

"Online" zu sein, einen "Live-Broadcast" zu empfangen, Echtzeitgespräche im Chatroom zu führen, vermittelt den UserInnen den Eindruck, Teil eines kollektiven Ganzen zu sein. Was gestern die Fernsehnation war, ist heute die Internet-Welt.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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