Drei Kilo pro Haushalt monatlich - so viel Zucker erhalten die Bewohner von Pozarevac seit Mitte August. Eine Rationierung von Speiseöl ist ebenfalls angekündigt. Eigentlich ist die Landwirtschaft die Stärke jener Region Serbiens, in der die Kleinstadt liegt. Trotz aller Kriegsverwerfungen funktionierte die Nahrungsmittelversorgung in den letzten zehn Jahren, denn die Landwirtschaft zeigte sich zäh. Allerdings geht den Bauern Serbiens allmählich die Luft aus, so auch in Pozarevac. Kein Geld für Diesel und für Saatgut, die Dürre schaffte den Rest. Das Besondere an Pozarevac ist jedoch, dass die "Familie" von dort stammt. Die "Familie" - das weiß jeder in Serbien - bedeutet Präsident Slobodan Milosevic und seine Gattin Mirjana Markovic. Ihr Sprössling Marko betreibt neuerdings auf der "Hauptstrasse" von Pozarevac eine Feinbäckerei. Er musste umsatteln, denn seinen anderen Geschäften in der Stadt - "Madonna", der "größten Diskothek des Balkan", sowie "Bambiland", dem "größten Freizeitpark des Balkan" - geht es schlecht. Nur sporadisch sind sie noch geöffnet, die Serben haben kein Geld für das Vergnügen. Und jetzt auch immer weniger Zucker für den türkischen Kaffee.
Oberflächlich betrachtet, läuft für Moldau derzeit vieles in die richtige Richtung. Das kleine Land zwischen Rumänien und der Ukraine genießt eine Aufmerksamkeit, die ihm über Jahrzehnte verwehrt geblieben ist.