Mehrere Ereignisse in den USA deuten auf eine Veränderung der Politik gegenüber Kuba hin. Begleitumstände der Rückführung des kubanischen Flüchtlingsjungen Elian und die erfolgreiche Verabschiedung von Gesetzesvorlagen im Kongress zur teilweisen Aufhebung des 40 Jahre andauernden Embargos sind dafür die Anzeichen für einen tragfähigen Wandel oder lediglich um singuläre Erscheinungen? Die Beziehungen zwischen den USA und Kuba sind seit der kubanischen Revolution 1959 äußerst gespannt. Die primäre US-Strategie gegenüber Kuba heißt seit 1961 "Isolierung" und "Druck". Der "Koloss im Norden" (José Martí) hat alle möglichen Formen der Intervention ausprobiert: Embargo, Invasionsversuch (Schweinebucht 1961), Terroranschläge und Attentatsversuche, der Betrieb einer US-Militärbasis vor Ort (Guantanamo), Dauerprogramme staatlich geförderter Anti-Kuba-Sender in Florida, Quasi-Veto der USA im Pariser Club gegen eine Neuverhandlung von kubanischen Schulden. Zwar verurteilen die jährlich stattfindenden UN-Vollversammlungen seit Jahren das US-Embargo nahezu einmütig, doch weder haben die USA ihr Verhalten geändert, noch wurde diese Missachtung der UN auf irgendeine Art und Weise sanktioniert.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.