Ausgabe Februar 2001

Die Revolution des Hugo Chávez

Beim Anflug auf Caracas, wo uns ein Erdöl-Seminar erwartete, sinnierten wir über das sperrige Kernthema der Beziehung USA-Lateinamerika: Ein Land der südlichen Hemisphäre nimmt Washington nur im Fall einer Krise wahr. Was eine Krise ausmacht, definierten State Department und Pentagon. Nicht was objektiv in einem lateinamerikanischen Land vorgeht, sondern was die Perzeption aus Washington ausmacht, entscheidet. Derzeit liefert Venezuela den Testfall dafür. Der südamerikanische Erdölstaat wird heute vom formaldemokratisch gewählten Fallschirmjäger-Oberst Hugo Chávez regiert. Auf den unkonventionellen Staatschef schossen sich in den vergangenen Monaten die Leitartikler der führenden US-Gazetten ein. "Is Chávez picking a fight?", fragte der Miami Herald, während die Washington Post gleich auf "A Venezuelan Castro" titelte.

Tad Szulc, Autor einer gründlichen Biographie über Fidel Castro, legte die Latte, sobald der Sieg von George W. Bush schließlich doch feststand, in der International Herald Tribune endgültig hoch: "Castro, Saddam and Chávez pose challenge to Bush". Auf Venezuela dürften also, im Sinne des chinesischen Fluches, interessante Zeiten warten. Entsprechend heftig blitzt es aus Caracas zurück.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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