Einer in Israel oft zu hörenden sarkastischen Redewendung zufolge ist es wünschenswert, die rechtskonservative Likud- Partei an der Regierung zu haben, wenn es um Frieden geht, günstiger hingegen die sozialdemokratische Arbeitspartei, wenn es darum geht, einen Krieg anzupeilen. Warum? Weil sich die jeweilige Regierung bei der Verfolgung ihrer Politik in beiden Fällen der Unterstützung durch die Opposition gewiß sein dürfte. Dabei soll unerörtert bleiben, inwieweit sich Likud und Arbeitspartei noch wesentlich unterscheiden, mithin ob die Links-Rechts-Unterscheidung angesichts der Zerstörung der letzten Überbleibsel der israelischen Sozialdemokratie durch die Arbeitspartei und der Abwendung des Likud-Blocks von der seine Gründungseliten umtreibenden Großisrael-Ideologie überhaupt noch trägt. Zu sehr ähneln sich mittlerweile die beiden Großparteien (oder was von ihnen übriggeblieben ist) in ihrer Gesamtausrichtung. Kodiert man aber links bzw. rechts als die mehr bzw. minder ausgeprägte Friedensbereitschaft der Libeiden Lager, mag die Arbeitspartei für „links“, der Likud für „rechts“ stehen.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.