Ausgabe Juni 2001

Wer wir sind und wer zu uns gehört

Die Nation eines Einwanderungslandes

Wahrscheinlich gibt es nur wenige Länder, wo sämtliche fremden Zuwanderer derart pauschal entweder abgelehnt oder aber begrüßt werden, wie das in den vergangenen Jahrzehnten hierzulande der Fall war. Während die Mehrheit der Deutschen die sogenannten Ausländer in ihrer Gesamtheit für eine Belastung hielt, versteifte sich eine Minderheit darauf, in jedem Ausländer eine Bereicherung sehen zu wollen. Angesichts der Heftigkeit dieser Debatten fiel gar nicht auf, dass die Kontrahenten sich in einer Prämisse völlig einig waren. Sie stimmten nämlich darin überein, dass die Ausländer nicht zu "uns" gehören. Strittig war nur die Funktion, die sie für "uns" haben sollten, ob sie uns ausnützen oder uns nützen. Dieser Konsens kommt schon in der Sprachregelung zum Ausdruck, die seit Jahrzehnten unangefochten herrscht. Kaum jemand nahm und nimmt daran Anstoß, dass Menschen, die manchmal bereits in der dritten Generation im Lande sesshaft sind, die möglicherweise inzwischen sogar die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, weiterhin als "Ausländer" bezeichnet werden. Natürlich gehören "Ausländer" nicht zu "uns". Und wer nicht zu "uns" gehört, ist natürlich ein "Ausländer".

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema