Ausgabe Juli 2001

Wir können nicht darauf warten, daß sich das von selbst regelt.

Die CDU und die soziale Frage Blätter-Gespräch mit Heiner Geißler

"Blätter": Herr Geißler, kürzlich träumten Sie davon, ein Revolutionär zu sein und die Welt zu verändern. Was wäre anders in der Welt nach Ihrer Revolution?

Heiner Geißler: Natürlich wäre sie die heilste aller heilen Welten. Eine Utopie, an der schon alle Weltverbesserer gescheitert sind. Ganz zentral wäre die Durchsetzung der Unantastbarkeit der Menschenwürde, und zwar für wirklich jedermann überall auf der Erde, unabhängig davon, ob jemand Weißer oder Schwarzer ist, Christ oder Jude - für Frauen im Islam genauso wie für die Muslime hier in Deutschland, die ein Minarett an ihrer Moschee hochziehen wollen und nicht dürfen. Und auch unabhängig davon, ob jemand krank oder gesund ist, behindert oder voll leistungsfähig, alt oder jung, geboren oder ungeboren. Das müßte Gegenstand oder Ergebnis einer solchen Revolution sein, was übrigens zeigt, daß es gar nicht so illusionär ist, denn genau das muß in Deutschland möglich sein. Das führt uns schnell auf die konkrete Politik, nämlich wie wir die Exzesse des modernen globalen Kapitalismus einschränken oder besser noch beseitigen können durch die Installierung einer internationalen, einer globalen sozialen Marktwirtschaft.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.

Drei Millionen ohne Abschluss: Was tun?

von Maike Rademaker

Die Zahl war lediglich einen Tag lang einige Schlagzeilen wert: Rund 2,9 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren hierzulande haben keinen Berufsabschluss. Maike Rademaker analysiert Gründe und Lösungsansätze.