Ausgabe Oktober 2001

Aus der Verantwortung gestohlen

Vom Umgang der Politik mit der Globalisierung

Die Gegner der Globalisierung globalisieren sich. Kein internationales Forum, ohne daß sie aus aller Welt anreisen und auf die eine oder andere Weise kundtun, wie wenig sie bereit sind, sich von den Schlagworten der Gipfelstürmer ins Bockshorn jagen zu lassen. Der internationale Widerstand kommt für die Politik offenbar unerwartet. Hatte man doch gerade die eigenen Bevölkerungen eingeschworen auf die "unumgängliche Anpassung, die die neuen Zeiten fordern". Die Zeiten heftiger Proteste gegen das System als solches schienen überwunden: Es gab scheinbar keine faktische Alternative mehr zum globalen Anarcho-Kaptitalismus neoliberaler Herkunft.

Uneingelöste Verheißungen

Hätte die Globalisierung des Wirtschaftens die Erfolge gebracht, die eine Mehrheit der Ökonomen prophezeite, dann bliebe völlig unverständlich, wieso bei jeder Konferenz von politischem, wirtschaftlichem und publizistischem, tatsächlichem oder auch nur eingebildetem Führungspersonal Protest laut wird. Aber die Prophezeiungen sind nicht wahr geworden. Die Öffnung der Märkte für Güter, Kapital und Menschen hat nicht zu dem Wohlfahrtsgewinn für alle geführt, den die Gleichgewichtsmodelle neoklassischer Provenienz vorhergesagt hatten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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