Ausgabe Juli 2002

Kolumbien: Politik der harten Hand

Die Zeichen stehen wieder auf Krieg: Nur wenige Tage nach den kolumbianischen Präsidentschaftswahlen erklärte der scheidende Präsident Andrés Pastrana die Friedensverhandlungen auch mit der zweitgrößten Guerilla des Landes, der Nationalen Befreiungsarmee (ELN), für gescheitert. Die ELN hatten im Gegenzug für eine sechsmonatige Unterbrechung der Kämpfe 40 Mio. Dollar Unterhalt für ihre Truppen gefordert. Kurz darauf machte sie ein Erdölcamp der amerikanischen Gesellschaft Occidental dem Erdboden gleich, sprengte zwei Brücken und versuchte, einen Hauptmann der kolumbianischen Armee zu entführen.

Dabei waren Pastrana ebenso wie sein Nachfolger Álvaro Uribe Vélez mit dem Versprechen angetreten, den Bürgerkrieg Kolumbiens zu beenden. Pastrana setzte im Wahlkampf 1998 auf den jetzt gescheiterten Friedensprozess, sein Ende Mai diesen Jahres mit 53% der Stimmen gewählter Nachfolger Uribe dagegen erfolgreich auf die Proklamation einer Politik der "harten Hand". Zu groß ist die Enttäuschung über das Ausbleiben von spürbaren Erfolgen des Friedensprozesses, zu umfassend die Krise von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft.

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema