Ausgabe November 2002

Gulliver vs. Liliput.

Robert Kagans Macht und Schwäche in der Debatte

Die Frage nach dem richtigen Umgang mit Saddam Hussein belastet die deutschamerikanischen Beziehungen, aber keineswegs nur sie. Auch jenseits des Wahlkampfgetöses hüben und drüben ist in die transatlantischen Beziehungen ein neuer, beunruhigender Ton gekommen. Leben Europäer und Amerikaner überhaupt noch in ein und derselben Welt? Sind es lediglich die Alleingänge der Bush-Equipe, die das im Grunde ungefährdete transatlantische Verhältnis belasten? Oder geht der eingetretene Zustand durchaus nicht auf eine einzelne Wahlentscheidung oder ein singuläres Ereignis wie 9/11 zurück? Beurteilen Amerikaner und Europäer die Welt und ihre Bedrohungen deshalb so unterschiedlich, weil die einen stark sind, die anderen schwach? Was die Vereinigten Staaten und Europa auseinander treibt, hat jüngst Robert Kagan in seinem vielbeachteten Essay „Macht und Schwäche“ pointiert beschrieben. Die „Blätter“ präsentierten im vergangenen Monat seine provokanten Thesen erstmals auf deutsch. Kagan, Senior Associate der Carnegie-Friedensstiftung in Washington, D.C., gilt als einer der einflussreichsten neokonservativen Strategieberater im Umkreis der Bush-Administration. Sein Essay erschien unter dem Titel „Power and Weakness“ zuerst in der „Policy Review“, einer Zeitschrift der Hoover Institution, Stanford, die der republikanischen Partei nahesteht.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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