Ausgabe November 2002

Gulliver vs. Liliput.

Robert Kagans Macht und Schwäche in der Debatte

Die Frage nach dem richtigen Umgang mit Saddam Hussein belastet die deutschamerikanischen Beziehungen, aber keineswegs nur sie. Auch jenseits des Wahlkampfgetöses hüben und drüben ist in die transatlantischen Beziehungen ein neuer, beunruhigender Ton gekommen. Leben Europäer und Amerikaner überhaupt noch in ein und derselben Welt? Sind es lediglich die Alleingänge der Bush-Equipe, die das im Grunde ungefährdete transatlantische Verhältnis belasten? Oder geht der eingetretene Zustand durchaus nicht auf eine einzelne Wahlentscheidung oder ein singuläres Ereignis wie 9/11 zurück? Beurteilen Amerikaner und Europäer die Welt und ihre Bedrohungen deshalb so unterschiedlich, weil die einen stark sind, die anderen schwach? Was die Vereinigten Staaten und Europa auseinander treibt, hat jüngst Robert Kagan in seinem vielbeachteten Essay „Macht und Schwäche“ pointiert beschrieben. Die „Blätter“ präsentierten im vergangenen Monat seine provokanten Thesen erstmals auf deutsch. Kagan, Senior Associate der Carnegie-Friedensstiftung in Washington, D.C., gilt als einer der einflussreichsten neokonservativen Strategieberater im Umkreis der Bush-Administration. Sein Essay erschien unter dem Titel „Power and Weakness“ zuerst in der „Policy Review“, einer Zeitschrift der Hoover Institution, Stanford, die der republikanischen Partei nahesteht.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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