Die Beseitigung von Schranken für den Handel und die Investitionen, wie sie von der Welthandelsorganisation (WTO) weltweit und von der EU insbesondere für den europäischen Binnenmarkt gefordert werden, sollen den Wettbewerbsdruck erhöhen, verkrustete Machtstellungen aufbrechen und dadurch zu einer qualitativ besseren und preiswerteren Versorgung der Menschen mit Gütern und Dienstleistungen führen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass der stärkere Wettbewerbsdruck nicht zu Gegenreaktionen von Seiten der Unternehmen führt, die ihre Marktmacht vergrößern statt verringern. Solche Gegenreaktionen bestehen vor allem in Fusionen und Übernahmen: Wenn Unternehmen, statt im Ausland neue Firmen aufzubauen und somit ein zusätzliches Angebot auf den dortigen Markt zu bringen, dort bereits etablierte Unternehmen aufkaufen, ändern sich nicht die für das Angebot maßgeblichen Marktstrukturen, sondern nur die Eigentumsverhältnisse der bereits etablierten Marktstrukturen. Es spricht wenig dafür, dass die Verbraucher davon profitieren. Wenn Unternehmen, um der härteren Konkurrenz von außen zu begegnen, Konkurrenten im Inland aufkaufen und zu nationalen Führungskonzernen werden, findet ebenfalls keine Schwächung, sondern eher eine Stärkung ihrer Markt- und Wettbewerbsposition statt.
Alle paar Jahrzehnte erlebt Europa einen Moment, an dem seine politischen Strukturen nicht mehr in die Zeit passen. Diese Momente haben die EU zu dem gemacht, was sie heute ist.