Ausgabe Januar 2003

Brasilien auf Linkskurs?

Mit dem früheren Schuhputzer und Gewerkschaftsführer Luiz Inacio Lula da Silva wird erstmals ein Sozialist das Amt als Staatschef Brasiliens antreten. Mit seiner Wahl verknüpfen sich Hoffnungen weit über das Land hinaus: Ist die Regierung in ihrem Vorhaben erfolgreich, wird Brasilien zumWegweiser für Schwellenländer, die sich in einer ähnlich krisenhaften Lage befinden. Darüber hinaus stellt die neue Regierung eine Zäsur der lateinamerikanischen Politiklandschaft dar. In Brasilien hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine politische Konstellation herausgebildet, die die Umsetzung innovativer politischer Ansätze begünstigt.

Nach ihrer Gründung 1980 profilierte sich Lulas Arbeiterpartei (Partido dos Trabalhadores – PT) im Eintreten gegen die Militärdiktatur und für Demokratie; später prangerte sie immer wieder die dramatischen sozialen Folgen der „konservativen” Modernisierung an. Dieses Profil als radikale Opposition in der brasilianischen Parteilandschaft verdankt die PT ihrer sozialen Basis, zu der nicht nur die seit der Parteigründung miteinbezogenen Gewerkschaftler und die Basisgemeinden der katholischen Kirche zählen, sondern auch Studenten, Linksintellektuelle und neue soziale Bewegungen, die sich im Rahmen der Demokratisierung herausbildeten.

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema