Ausgabe Februar 2004

Hat die Sozialdemokratie eine Zukunft?

Die Sozialdemokratie steht in einer Tradition, die Techniken ökonomischer Regulierung, der Umverteilung und sozialen Vorsorge auf ein Ethos der Solidarität gründet. Demokratische Bürgerschaft, ausgeübt in Institutionen gesellschaftlicher Teilhabe, gehört zu ihrem Kernbestand. Zu den historischen Trägern der Sozialdemokratie zählen nicht allein die europäischen Mitgliedsparteien der Sozialistischen Internationale, sondern auch die amerikanischen Demokraten der Fortschrittsbewegung (Progressives), des New Deal und der Great Society. Ferner gibt es natürlich die postkommunistischen Parteien der kürzlich vom Stalinismus befreiten Staaten und die überaus aktiven Gruppen der radikalen Linken in Westeuropa – wie auch die christlich-sozialen Parteien. Ihre theoretischen, moralischen und sozialen Grundlagen unterscheiden sich voneinander, desgleichen ihre jeweilige Geschichte. Das gilt ebenso für die Grünen. Die Beziehungen der Sozialdemokraten zu den genannten Gruppierungen – und zu den neueren, gegen die kapitalistische Version der Globalisierung gerichteten sozialen Bewegungen – sind widersprüchlich (Gegnerschaft, Zusammenarbeit, Konkurrenz und Nachahmung), liefern aber Aufschluss über die tiefsten Risse innerhalb der Sozialdemokratie selbst.

Der gegenwärtige Kapitalismus ist in vieler Hinsicht von der Sozialdemokratie geprägt.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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