Ausgabe Oktober 2004

Der tote Scheich im Hause Saud

Die verhängnisvolle Geschichte des Wahhabismus

Saudi-Arabien galt einst, sehr zur Beruhigung der internationalen Ölmärkte, als Hort der Stabilität im Nahen Osten. Doch mittlerweile gehört es zum Alltag, dass Terroristen und Sicherheitskräfte sich auf den Straßen blutige Gefechte liefern. Unter Hochdruck fahnden saudische Behörden deshalb nach den Hintermännern der "Organisation der Qaida auf der arabischen Halbinsel", während die Amerikaner der internationalen Führungsriege habhaft zu werden versuchen. Das große Handicap der Fahnder: Organisatorische Strukturen werden zwar immer wieder zerschlagen, doch der ideologische Kopf entzieht sich erfolgreich der Inhaftierung. Denn die zentrale Figur im "Kampf gegen den Terror" ist ein Dörfler aus dem Innern Arabiens, der seit 213 Jahren tot ist.

Der Mann, den die Terroristenjäger nicht mehr fassen können, kannte seinen Feind von innen. Er bereiste die Supermacht, die sich die arabische Welt gefügig gemacht hatte und deren Schatten auch auf die arabische Halbinsel gefallen war. Die Verhältnisse, die er dort antraf, schockierten ihn: der Verfall der Grundwerte, der Materialismus einer Gesellschaft, in der der Mammon herrschte anstatt der Moral. In den arabischen Ländern, die sich unter dem Einfluss der Weltmacht befanden, beherrschten Korruption und Vetternwirtschaft das politische Leben.

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