Ausgabe Juni 2005

Finanzbullen statt Heuschrecken

Franz Müntefering verdient Anerkennung dafür, dass er eine realistische Kapitalismuskritik wieder hoffähig gemacht hat. Gegenüber den bisher vorherrschenden, die Realität verklärenden Leitbegriffen "freie Marktwirtschaft" und "Stärkung der privaten Marktkräfte" werden die realen Triebkräfte der kapitalistischen Privatwirtschaft endlich wieder in den Mittelpunkt gerückt. Müntefering bleibt jedoch nicht bei einer allgemein gehaltenen Kapitalismuskritik stehen. Vielmehr beschreibt er instinktsicher die jüngste, sich abzeichnende Etappe kapitalistischer (Fehl-)Entwicklung: "Großes Geld kauft sich mit kurzfristigem Profitinteresse hier ein und beutet Unternehmen in kurzatmigen Zyklen aus." Die Folge seien Arbeitsplatzvernichtung und ein einschneidender Verlust staatlicher Handlungskompetenz.

Gegeißelt werden vor allem die gigantischen Finanzfonds aus den USA. Sie versuchen die überschüssige Liquidität, die bei Pensionsfonds und reichen Familien lagert, unter Maximierung der Gewinne auf das eingesetzte Kapital weltweit zu platzieren. Bei der hektischen Suche nach maximalen Renditen für dieses vagabundierende Geldkapital fallen die Börsen nach ihrem Zusammenbruch mangels Kurssteigerungspotenzial aus. Die Märkte für festverzinsliche Wertpapiere sind wegen der historisch niedrigsten Zinssätze völlig unattraktiv.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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