Ausgabe Juli 2005

Gender Mainstreaming: Vom radikalen Gedanken zur technokratischen Umsetzung

Gender Mainstreaming ist ein umfassendes Konzept zur Integration der Geschlechterperspektive in alle politischen Handlungsprozesse. Es hat seinen Ursprung in der internationalen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit.

Gender Mainstreaming ist ein umfassendes Konzept zur Integration der Geschlechterperspektive in alle politischen Handlungsprozesse. Es hat seinen Ursprung in der internationalen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit. In sich wandelnden asiatischen und afrikanischen Gesellschaften wurde bereits in den 70er Jahren deutlich, dass Frauen oft die Verliererinnen von Modernisierungsprozessen waren und nachhaltige Entwicklung ohne die gleichberechtigte Einbeziehung von Frauen nicht funktioniert. Nahe liegend ist also der Gedanke, die Situation und die Bedürfnisse von Frauen in alle entwicklungspolitischen Handlungsfelder zu integrieren, gleich, ob es um Saatgutentwicklung, Bevölkerungspolitik oder Straßen- und Brunnenbau geht. Die auf der Vierten UNO-Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking verabschiedete Aktionsplattform unterstützte daher die Strategie des Gender Mainstreaming ausdrücklich. Die Lebenssituationen von Männern und Frauen unterscheiden sich auch in Industriegesellschaften erheblich. Trotz Frauenbewegung, Frauenministerinnen und Gleichstellungsämtern kann von Gleichberechtigung keine Rede sein; Gleichstellungsgesetze, Frauenförderrichtlinien und Quotierungsvorschriften wirken allenfalls kompensatorisch.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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