Ausgabe Februar 2006

Potemkins Rente

Soziale Sicherheit verlässlich und gerecht gestalten“ steht über dem IV. Kapitel des schwarz-roten Koalitionsvertrages. Im ersten Unterpunkt, den man mit „Rente“ betitelt hat, herrscht großkoalitionäre Einigkeit über die Richtigkeit der Rentenpolitik der letzten Jahre sowie über das Ziel, den Beitragssatz für die gesetzliche Rentenversicherung zumindest annähernd stabil zu halten. Um dieses Ziel zu erreichen, stellt der Koalitionsvertrag in Aussicht, das gesetzliche Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre zu erhöhen und „nicht realisierte Dämpfungen von Rentenanpassungen nachzuholen“.

Bei der Kredit- und Versicherungswirtschaft hört man diese Botschaft sicher gerne. So gibt es kaum eine Bank oder Sparkasse, die momentan nicht damit wirbt, mit Geld vom Staat eine private Rente aufzubauen. Die Tageszeitungen sind voll von zum Teil mehrseitigen Beilagen, in denen junge, seriös wirkende und gut gekleidete Banker oder Versicherungskaufmänner die schöne neue Welt der privaten Rentenversicherungen erklären. Verstärkt durch Bilder gut gelaunter, braun gebrannter und strahlender älterer Herrschaften verkünden sie die Botschaft: Private Vorsorge kann so schön, so einfach und, nicht zu vergessen: so billig sein. Wie durch Zauberei werden selbst aus kleinen Beiträgen satte Beträge und den Lebensstandard sichernde Renten, neben denen sich die Zahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung wie ein schmales Zubrot ausnehmen.

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