Ausgabe Februar 2006

Potemkins Rente

Soziale Sicherheit verlässlich und gerecht gestalten“ steht über dem IV. Kapitel des schwarz-roten Koalitionsvertrages. Im ersten Unterpunkt, den man mit „Rente“ betitelt hat, herrscht großkoalitionäre Einigkeit über die Richtigkeit der Rentenpolitik der letzten Jahre sowie über das Ziel, den Beitragssatz für die gesetzliche Rentenversicherung zumindest annähernd stabil zu halten. Um dieses Ziel zu erreichen, stellt der Koalitionsvertrag in Aussicht, das gesetzliche Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre zu erhöhen und „nicht realisierte Dämpfungen von Rentenanpassungen nachzuholen“.

Bei der Kredit- und Versicherungswirtschaft hört man diese Botschaft sicher gerne. So gibt es kaum eine Bank oder Sparkasse, die momentan nicht damit wirbt, mit Geld vom Staat eine private Rente aufzubauen. Die Tageszeitungen sind voll von zum Teil mehrseitigen Beilagen, in denen junge, seriös wirkende und gut gekleidete Banker oder Versicherungskaufmänner die schöne neue Welt der privaten Rentenversicherungen erklären. Verstärkt durch Bilder gut gelaunter, braun gebrannter und strahlender älterer Herrschaften verkünden sie die Botschaft: Private Vorsorge kann so schön, so einfach und, nicht zu vergessen: so billig sein. Wie durch Zauberei werden selbst aus kleinen Beiträgen satte Beträge und den Lebensstandard sichernde Renten, neben denen sich die Zahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung wie ein schmales Zubrot ausnehmen.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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