Ausgabe August 2006

Norwegens rechte Versuchung

Anders als die bundesdeutschen leiden die norwegischen Parteien weder an einem Mangel an Frauen in Führungspositionen noch an Überalterung. Vier der sieben im Parlament, dem Storting, vertretenen Gruppierungen werden heute von Politikerinnen angeführt, und keiner der sieben Parteichefs ist älter als 49 Jahre. Voll im Trend liegt also die neu gewählte Vorsitzende der rechtspopulistischen Fortschrittspartei (FP), die 37jährige Osloerin Siv Jensen. Ihr Vorgänger, der 62 Jahre alte Carl I. Hagen, hatte sich nach 28 Jahren an der Spitze der Fremskrittspartiet nicht noch einmal zur Wahl gestellt.

Mit Jensen als Frontfrau will die FP nun die Rolle der Protestpartei hinter sich lassen und spätestens nach der kommenden Wahl 2009 die Regierung stellen. Die neue Vorsitzende trat bereits mit 18 Jahren der Partei bei, studierte Betriebswirtschaft und arbeitete anschließend in der Werbeabteilung eines privaten Radiosenders, bis sie eine Stelle als Mitarbeiterin der FPFraktion im Osloer Stadtrat übernahm. 1995 wurde sie selbst in den Stadtrat gewählt, zwei Jahre später in den Storting. Seit acht Jahren ist Jensen dort Mitglied im Finanzausschuss. Anfang Mai erreichte sie den bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere: 231 der 232 Delegierten wählten sie auf dem Parteitag ins oberste Parteiamt.

Jensen ist jedoch nicht nur jung und weiblich, ihre Wahl an die Parteispitze steht auch für einen neuen Stil.

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Der Lieferketten-Backlash – und was trotzdem bleibt

von Armin Paasch, Miriam Saage-Maaß

Nach langem Ringen hat das Europäische Parlament am 16. Dezember 2025 dem sogenannten Omnibus-I-Paket zugestimmt, das zentrale Regelwerke des European Green Deal »vereinfachen« soll. Tatsächlich hat die Europäische Volkspartei damit allerdings nicht vereinfacht, sondern vielmehr die »Brechstange« (Manfred Weber, CSU) an die EU-Lieferkettenrichtlinie angesetzt.