Ausgabe August 2006

Olmerts Dilemma

Eine israelische Regierung, die mit dem einzigen außenpolitischen Ziel angetreten ist, den Nahostkonflikt zu beenden, führt Krieg an zwei Fronten. Politiker, die mit dem Abzug aus fast allen besetzten Gebieten ernst machen wollen und damit ein großes politisches und persönliches Risiko eingehen, lassen Panzer in Feindesland einrücken – als Reaktion auf Raketenbeschuss und Verschleppung von Soldaten, aber mit nur geringer Hoffnung, auf diese Weise Ruhe herzustellen, von Frieden ganz zu schweigen. An der libanesischen Front kämpft Israel gegen die Hisbollah-Miliz, aber in Wirklichkeit gegen die rivalisierende Regionalmacht Iran, die ihre libanesischen Verbündeten finanziert und steuert. Da hat die Jerusalemer Regierung wenig diplomatische Optionen und sieht in unmittelbarer Reaktion auf die Hisbollah- Angriffe keine Alternative zur militärischen Aktion. Gegenüber den Palästinensern in Gaza sieht es anders aus: Hier steht die Regierung des Ministerpräsidenten Ehud Olmert unter dem Zwang, ihr großes Projekt der einseitigen Grenzziehung durch Rückzug zu rechtfertigen.

Olmert hat vor den Abgeordneten des Parlaments in Jerusalem bekundet, er sei „absolut entschlossen, die Trennung von den Palästinensern zu vollziehen und sichere Grenzen zu schaffen“.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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