Ausgabe Oktober 2006

Die Geschichte kommt hoch

Günter Grass und die Neue Bürgerlichkeit

Fast zwei Monate sind ins Land gegangen, seit Günter Grass mit der Mitteilung, in der Waffen-SS gewesen zu sein, seine Anhänger schockierte und seine Gegner nachhaltig euphorisierte.1 Bis heute vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Artikel in der Sache Grass erscheinen. Doch was ist der politische Ertrag der Debatte? Und worin liegt ihr politischer Kern?

Fast zwei Monate sind ins Land gegangen, seit Günter Grass mit der Mitteilung, in der Waffen-SS gewesen zu sein, seine Anhänger schockierte und seine Gegner nachhaltig euphorisierte.1 Bis heute vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Artikel in der Sache Grass erscheinen. Doch was ist der politische Ertrag der Debatte? Und worin liegt ihr politischer Kern?

Von Anfang an ging es weniger um Grass oder gar dessen literarisches Werk als um die politische Vergangenheit, Gegenwart und damit auch die Zukunft dieses Landes. Die Grass-Debatte ist ein Kampf um die politischkulturelle Deutungshoheit in dieser Republik.

Gewiss handelt es sich zunächst um einen Deutungskampf um die Geschichte der Bundesrepublik und die Rolle ihrer intellektuellen Kombattanten. Doch in der Auseinandersetzung um die Geschichte allein geht der Streit nicht auf. So sehr die Frage reizen mag, wie die Diskussion um Bitburg verlaufen wäre, wenn Günter Grass sich bereits vor 21 Jahren offenbart hätte: Die Frage bleibt eine hypothetische, die alten Schlachten sind geschlagen.

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