Ausgabe Januar 2007

Zitterpartie in Serbien

Oft wird der Begriff „Schicksalswahl“ überstrapaziert. Aber manchmal passt er eben auch – so wie für die kommenden Parlamentswahlen am 21. Januar in Serbien. Dieser Urnengang wird entscheidende Weichen für die Zukunft des Landes stellen. Gelingt Serbien die Konsolidierung des bisher unbefestigten Demokratisierungsprozesses, der mit dem Sturz Slobodan Miloševics im Oktober 2000 eingeleitet wurde? Oder droht eine neue Phase nationalistischer Mobilmachung mit destabilisierenden Folgen für den gesamten Balkan?

Wie im benachbarten Ungarn stehen sich auch in Serbien seit Jahren unversöhnliche politische Lager gegenüber. Auf der einen Seite finden sich die wirtschaftsliberalen, prowestlichen Kräfte, die eine Beschleunigung der marktwirtschaftlichen Transformation sowie eine schnelle Integration Serbiens in die Europäische Union und die transatlantischen Sicherheitsstrukturen anstreben. Angeführt wird dieses Lager von der Demokratischen Partei (DS), deren Listenführer der amtierende Staatspräsident Boris Tadic ist. Mit seinem betont modernen Auftreten repräsentiert der Psychologe, der die Nachfolge des im März 2003 ermordeten Parteigründers und Premierministers Zoran Djindjic antrat, vor allem die urbanen Mittelschichten. Nach Meinungsumfragen kann die DS auf gut 20 Prozent der Stimmen hoffen.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema