Ausgabe Februar 2007

Die Mär von der arabischen Stagnation

Im Dezember 2006 erschien der vierte und vorerst letzte „Arabische Bericht über die menschliche Entwicklung“ (AHDR). Seit 2003 werden die Studien jährlich vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) veröffentlicht.1 Im Gegensatz zu den jeweiligen nationalen Berichten werden die gesamtarabischen Entwicklungsberichte von einem nichtstaatlichen Redaktionsteam unter Leitung des ägyptischen Soziologen Nader Fergany herausgegeben. Nach einer Bestandsaufnahme der Gesamtlage beschäftigte sich der zweite Bericht mit Wissensproduktion in der arabischen Welt; im dritten ging es um Bürgerrechte, gute Regierungsführung sowie Reformfähigkeit; und der zuletzt erschienene Bericht behandelt speziell die Situation der Frauen in der Region.

Die vier Berichte sind immer wieder als „Kronzeugen“ herangezogen worden, wenn es um die Nicht-, Unter- oder Fehlentwicklung der arabischen Welt ging. Getreu dem Motto „Der Araber sagt es ja selbst“ wurde kaum ein wissenschaftliches Dokument so häufig zitiert. Auch US-Präsident George W. Bush übernahm zur Begründung seiner Demokratisierungsinitiativen von Marokko bis Afghanistan einige Passagen wortwörtlich.

Dabei wurden meist nur jene Teile zitiert, die innerstaatliche Hemmnisse sowie Stillstand behandelten.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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