Ausgabe August 2007

Freiheit unter Verdacht

Vom Wandel des Staates im Zeichen der Sicherheit

Vor einigen Jahren erschien in zahlreichen Tageszeitungen eine auffällige ganzseitige Anzeige. Sie zeigte, wie das bei Anzeigen so üblich ist, lachende Menschen. Man sah eine Frau mit zwei Kindern, die von einem Mann mit Kamera abgelichtet wurden. Das meiste an dieser Anzeige war freilich unüblich. Es wurde für kein Produkt geworben. Die Anzeige geschaltet hatte keine Firma. Es war vielmehr das amerikanische Heimatschutzministerium, das mit riesigen Lettern in Deutschland für eine neue Identifizierungsprozedur warb:

„Der Flug nach Amerika dauert acht Stunden. Ihren Besuch sicherer zu gestalten, dauert nur einige Sekunden.“ Wir, die deutschen Zeitungsleser, blickten dem Mann beim Fotografieren über die Schultern, im Sucher die lachenden Portraitierten und dahinter die Freiheitsstatue. Das sollte den touristischen Kontext ansprechen, es konnte aber auch als eine Anspielung auf patriotische Kontexte oder politische Prinzipien gelesen werden. Selbstverständlich war das nach dem 11. September. Und natürlich ging es darum, dass sich die Einreisebestimmungen verschärft hatten.

Alles, was den gegenwärtigen Rechts- und Sicherheitsstaatsdiskurs kennzeichnet, ist in diesem Bild enthalten. Denn hier fand ein hochsymbolischer Tausch statt.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Gegen den Digitalzwang: Das Recht auf analoges Leben

von Leena Simon, Rena Tangens

In vielen Saunen gilt das Prinzip digital detox – digitale Entgiftung. Elektronische Geräte wie Smartphones, Tablets oder Computer sind dort nicht erlaubt, die Menschen sollen sich von deren übermäßiger Nutzung erholen. Was in den meisten Saunen normal ist, wird in der Außenwelt jedoch immer schwieriger.

Der maskierte Raub

von Naomi Klein

In der vielschichtigen Debatte über die schnelle Verbreitung von Künstlicher Intelligenz (KI) gibt es eine vergleichsweise obskure Auseinandersetzung um die „KI-Halluzinationen“. Auf diesen Begriff haben sich die Architekten und Förderer der generativen KI geeinigt, um Antworten von Chatbots zu bezeichnen, die völlig erfunden oder einfach falsch sind.