Ausgabe März 2008

My Lai oder Die Stunde des Außenseiters

Warum Historiker in der Schuld von Seymour M. Hersh stehen

Was sich vor 40 Jahren, am 16. März 1968, im südvietnamesischen My Lai abspielte, ist weitgehend bekannt. Gegen 7.30 Uhr wurden die „Charlie“- und die „Bravo“-Kompanie der US-Sondereinheit Task Force Barker in der Nähe dreier Dörfer von Transporthubschraubern abgesetzt. Ihr Auftrag: die küstennahe Region der Provinz Quang Ngai „zu durchkämmen“, ein Kampfbataillon des Vietcong, das 48. VC Local Force Battalion, aufzuspüren und politische Funktionäre der Nationalen Befreiungsbewegung dingfest zu machen. Die C Company rückte in Xom Lang und Binh Tay ein, ein Platoon der B Company umstellte My Hoi – Siedlungen, die auf amerikanischen Militärkarten als „My Lai“ und „My Khe“ verzeichnet waren. Die Bilanz nach zweieinhalb Stunden: zwischen 490 und 520 Ermordete, einige waren erst wenige Wochen alt, manche im Greisenalter, die meisten waren Bauern mittleren Alters. Amerikanische Verluste: keine. Erbeutete Waffen: angeblich vier. Kein einziger Schuss war auf die GIs abgegeben worden; sie wussten, dass es sich bei den Opfern um Zivilisten handelte; sie hatten ihnen von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden und sich von der ersten Minute an wie Schlächter aufgeführt.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Über den Verfassungspatriotismus hinaus

von Meron Mendel

Während des Historikerstreits 1986 wehrte sich Jürgen Habermas erfolgreich gegen die Relativierung des Holocaust und hoffte, die Deutschen würden statt einer konventionellen Nationalidentität einen Verfassungspatriotismus entwickeln. Heute sollte dieses abstrakte Konzept mit konkreten Inhalten gefüllt werden.