Ausgabe Mai 2008

Krise und Chance der Bioenergie

Die Bioenergiestrategie der Bundesregierung ist in der Krise. Noch im November 2007 hatten Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) und Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) die „Roadmap Biokraftstoffe“ vorgestellt – mit dem hochfliegenden Ziel, den Anteil der biogenen Kraftstoffe bis zum Jahr 2020 auf 17 Prozent zu vervierfachen und das Zehn-Prozent-Ziel der EU deutlich zu übertreffen. Keine sechs Monate später ist die Euphorie der Ernüchterung gewichen.

Tatsächlich steht die Bundesregierung bei den biogenen Kraftstoffen vor einem Scherbenhaufen. Anfang April musste der Umweltminister Pläne zur Beimischung von bis zu zehn Prozent Äthanol zum Benzin abrupt stoppen, weil weit mehr Autos als zunächst angenommen diesen Kraftstoffmix nicht vertragen. Gleichzeitig ist der Markt für reine Pflanzenkraftstoffe als Ergebnis schwarz-roter Steuererhöhungen eingebrochen. Nach Branchenangaben stehen große Teile der Erzeugungskapazitäten still; zahlreiche Ölmühlen haben Insolvenz angemeldet. Und die von großen Erwartungen begleiteten Biokraftstoffe der zweiten Generation stecken mit ungewissen Realisierungsaussichten immer noch in der Entwicklungsphase.

Schwerer wiegt noch, dass der Ausbau der Bioenergien auch unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten massiv in die Kritik geraten ist. „Volle Tanks, leere Teller“ oder „Sprit sauber, Regenwald tot“ sind nur zwei der prägnantesten Vorwürfe.

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Ökologie

Die Kunst der Bricolage

von Frank Adloff

Der Ausweg aus der dramatischen Doppelkrise aus fortschreitender Klimaerwärmung und schwindender Biodiversität muss ein schrittweises Handeln sein, das ökologische Modernisierung und radikalen Systemwandel gleichzeitig verfolgt.