In der heutigen öffentlichen Wahrnehmung dominieren Krawalle, Straßenschlachten und Demonstrationen das Bild von „68“. Typisch dafür ist die von der Bundeszentrale für politische Bildung ausgerichtete Ausstellung im Berliner Amerika-Haus in der Hardenbergstraße – mit einem Wasserwerfer als monströser Ikone staatlicher Ordnungsmacht.
Natürlich hat es seinerzeit massive Proteste gegeben – aber als Ausnahmeerscheinungen und ohnmächtige Reaktionen auf polizeiliche Provokationen wie am 2. Juni 1967 oder auf das Attentat auf Rudi Dutschke wie die „Osterunruhen“ 1968. Der politische Alltag sah ganz anders aus: Da wurden studentische Versammlungen auf allen Ebenen und in allen Instituten und Fakultäten organisiert. Auf diesen wurden Forderungen erhoben nach Universitätsreformen, mehr Mitsprache für Studierende, nach eigenverantworteten, „selbstbestimmten“ Seminaren und der Gründung einer „Kritischen Universität“ innerhalb der FU mit selbst gewählten Dozenten und Professoren.
Daran mitzuarbeiten, mitzudiskutieren war nicht nur für mich, sondern für viele der damaligen politisch Engagierten ebenso selbstverständlich wie spannend.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.