Ausgabe Oktober 2008

Nachhaltigkeit light

CSR – bis vor kurzem hätte kaum jemand etwas mit diesem Kürzel anfangen können. Doch auf einmal ist „Corporate Social Responsibility“, sprich: verantwortungsbewusste Unternehmensführung, in aller Munde. Wie selbstverständlich berichten die Wirtschaftsteile aller großen Zeitun-gen über die Aktivitäten von Unternehmen, die sich auf irgendeinem Ge-biet besonders engagieren. So schickt ein großer Konzern unter dem Label Social Volunteering Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Behindertenein-richtungen, um Wände zu streichen, ein anderes spendet Geld für Ob-dachlosenprojekte und betreibt somit Social Sponsoring, und ein drittes entwickelt in einer Public Private Partnership gemeinsam mit der öffent-lichen Hand ein Klimaschutzprojekt – und dies alles, um zu zeigen, dass man Corporate Citizenship ernst nimmt, sich also als Unternehmen als aktiver Teil des Gemeinwesens versteht.

Dieselben Zeitungen, die nun begeistert von den ständig neuen Pro-jekten berichten, haben vor nicht allzu langer Zeit noch gelangweilt abge-winkt, wenn es um „Nachhaltiges Wirtschaften“ ging. Nachhaltigkeit er-schien als ‚hartes’ Wirtschaftsthema völlig ungeeignet. Jetzt sprießen zu CSR Managerseminare und -tagungen wie Pilze aus dem Boden. Bera-tungsunternehmen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften – allen voran die großen und etablierten – bauen in Erwartung eines lukrativen Geschäfts eigene Abteilungen dazu auf.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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