Ausgabe Oktober 2008

Schildknappe Europa

Im Herbst 1962 wollte Nikita Chruschtschow, der Partei- und Regierungschef der Sowjetunion, den Amerikanern „ein bißchen von ihrer eigenen Medizin verabreichen“. Auf Kuba ließ er atomar bestückte Raketen aufstellen, die auf die USA gerichtet wurden, sein Ziel war militärische und politische Parität. Wie amerikanische atomar bestückte Raketen vom Norden der Türkei nur über das Schwarze Meer hätten schießen müssen, um die Sowjetunion im Kern zu treffen, so hätten die Sowjetischen Raketen nur den Weg über die Karibik gehabt, um die Vereinigten Staaten ins Herz zu treffen. Ein Atomkrieg drohte und wurde erst durch den Kompromiss verhindert, dass beide ihre Raketen zurückzogen.

Schon seit anderthalb Jahrhunderten, seit der Monroe-Doktrin des Jahres 1823, war es unumstößlicher Grundsatz amerikanischer Politik, kein Eindringen außeramerikanischer Staaten in der westlichen Hemisphäre, also bis Kap Horn hinunter, zu dulden. Als Präsident John F. Kennedy den Abzug der sowjetischen Raketen aus Kuba teils erzwang, teils erhandelte, folgte er einer starken Tradition, vor allem verhielt er sich, wie jede Großmacht sich verhält, wenn ihr eine andere Großmacht auf den Leib rückt. Nicht allein das eigene Territorium, sondern auch die nähere oder auch weitere Umgebung gilt als Sicherheitszone, die von jeglicher fremder Einwirkung frei zu bleiben hat.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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