Ausgabe Mai 2009

60 Jahre Grundgesetz: Das uneingelöste Versprechen

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Der Kampf um die Gleichberechtigung von Mann und Frau

Das Grundgesetz in der Fassung vom 23. Mai 1949 enthält mit Art. 3 Abs. 2 das Grundrecht der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Wie uneingelöst dieses Grundrecht trotz der Ergänzung im Jahr 19941 immer noch ist, machte jüngst das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Beispiel der Einkommensunterschiede deutlich: In der Bundesrepublik verdienen Frauen im Durchschnitt etwa 24 Prozent weniger als Männer. Ein Teil dieser Gehaltslücke erklärt sich dadurch, dass Frauen häufig in Branchen beschäftigt sind, in denen traditionell schlecht verdient wird. Doch die Ungerechtigkeit greift tiefer: So beziffert das IAB die Gehaltslücke bei gleicher Ausbildung, gleichem Alter, gleichem Beruf und im gleichen Betrieb auf sage und schreibe 12 Prozent. Auch sei die Bundesrepublik neben Zypern das einzige europäische Land, in dem sich die Gehaltsdifferenz in den letzten 15 Jahren verfestigt habe, während sie sich im EU-Durchschnitt verringerte. 2

Mit dem Grundrecht und seiner Genese ist dies schwerlich in Einklang zu bringen: Die normierende Wirkung dieses Verfassungsartikels bestand zum einen darin, die Verbindlichkeit des Rechts auf Gleichberechtigung anzuerkennen, und zum anderen in der Bereitschaft, dessen Inhalt auch gegen Widerstände zu verwirklichen. Elisabeth Selbert, Mitglied des Parlamentarischen Rates, sagte dazu: „Art. 3 Abs.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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