Ausgabe Juni 2009

Kosmopolitismus und Demokratie: Von Kant zu Habermas

Der 80. Geburtstag von Jürgen Habermas bedeutet auch für mich persönlich ein kleines Habermas-Jubiläum. Es ist nämlich genau 30 Jahre her, dass ich als Stipendiatin der Alexander-von-Humboldt-Stiftung im Herbst 1979 nach Deutschland kam, um bei ihm am Max-Planck-Institut in Starnberg zu studieren.

Von Anfang an nahm ich Jürgen Habermas wahr als die relevante zeitgenössische Figur in der Tradition des Kosmopolitismus. „Kosmopolitismus“ bedeutet für mich anzuerkennen, dass Menschen moralische Personen sind, die ein Recht auf den Schutz durch das Gesetz haben, und zwar aufgrund der Rechte, die ihnen nicht als Staatsbürger oder als Mitglieder einer ethnischen Gruppe zukommen, sondern die sie einfach als Menschen beanspruchen können. Des Weiteren bedeutet Kosmopolitismus, dass Ländergrenzen im 21. Jahrhundert zunehmend durchlässig und dass Gerechtigkeit innerhalb der Grenzen und Gerechtigkeit jenseits der Grenzen miteinander verbunden sind, selbst wenn es zwischen ihnen zu Spannungen kommen kann und kommt. Aus dieser menschenrechtlich-kosmopolitischen Position resultiert bei Jürgen Habermas von Anfang an der Wille zur „Einbeziehung des Anderen“, unabhängig von seiner nationalen Herkunft.

So verstanden, scheint sich der Kosmopolitismus aber nur schwer mit der Demokratie vereinbaren zu lassen.

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