Ausgabe September 2009

Uni 2009: Anpassungsmenschen ohne Leidenschaft

Mit 75 Jahren schrieb der Politikwissenschaftler Wilhelm Hennis: „Ich liebe die Wissenschaft noch immer. Mit meinem Weber bin ich darin einig, dass nichts für den Menschen etwas wert ist, was er nicht mit Leidenschaft tun kann – bei aller selbstverständlich gebotenen Nüchternheit und Mäßigung – Leidenschaft ist ja nicht nur blinder Überschwang – sie hat am Leiden Anteil.“

Die Leidenschaft, mit der Wilhelm Hennis über die Idee der Universität spricht und schreibt, enthält wie der französische Ursprung des Begriffs passion beides: Leiden und Leidenschaft. Er diagnostiziert ganz zu Recht die Banalisierung der Institution Universität. „Nur durch Kultur konnte sich dieses Land immer wieder hochbringen. Und darum waren Erziehung und Bildung […] eine öffentliche Sache von besonderem Rang. Davon weiß der heutige Staat nichts, und auch die Universität hat es vollkommen vergessen.“

Seit Jahrzehnten gehe es nur um Management und organisatorische Strukturen. Eine sinnvolle Reform der Universitäten sei jedoch nur möglich, wenn sie von einer Idee ausgehe, die schon mehr sein müsse als die gesellschaftliche Funktion, die eine Universität natürlich auch zu erfüllen habe.

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