Ausgabe Januar 1990

El Salvador: Kampf ohne Ende?

Fast zeitgleich mit der Öffnung der Mauer in Berlin hat sich der Bürgerkrieg in El Salvador dramatisch zugespitzt. Am Samstag, dem 11. November, hat die FMLN, die salvadoreanische Guerillabewegung, ihre bisher größte militärische Offensive gestartet, die zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels anhält. Die salvadoreanischen Sicherheitskräfte reagierten prompt. Die Schreckensmeldungen aus El Salvador reißen nicht ab: Massakrierung von 6 Jesuiten, einer Haushaltsgehilfin und ihrer Tochter; Bombardierung von Armutsvierteln, in denen sich Gruppen der FMLN verschanzt haben; Ausweisung praktisch aller Ausländer, die für Hilfsorganisationen arbeiten: Verabschiedung eines Antiterrorgesetzes, das die bürgerlichen Freiheitsrechte außer Kraft setzt; Gleichschaltung der Medien; täglich neue Meldungen über verschwundene und ermordete Oppositionelle.

Die Nacht der langen Messer, die viele für den Fall eines ARENAWahlsieges vorausgesagt hatten, hat in El Salvador wieder einmal begonnen. Dabei hat noch vor einigen Wochen sehr wenig für eine solche Entwicklung gesprochen. Im Gegenteil, die Politik des im März mit einer geringen Wahlbeteiligung gewählten Präsidenten Cristiani war zunächst nur auf ökonomischem Gebiet radikal, d.h. neoliberal.

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema